| |||||||
|
Presseberichte28 Meter Stahlrohr halten lackierte Pappe zusammenWeischlitzer Firma fertigt stärksten Trabi der Welt auf KundenwunschVon Stefanie Parys Oelsnitz/Weischlitz. Die vogtländische Fahrzeugschmiede Unicates stellt auf der am Samstag in Leipzig beginnenden Automobilausstellung einen auf 320 Pferdestärken aufgemotzten Trabant aus. Das golden schimmernde Auto wird am Stand „Tuningfahrzeuge aus dem Osten” zu sehen sein, informierte Manuela Scholz, Mitarbeiterin des Oelsnitzer Autohauses Scholz , zu dem die in Weischlitz ansässige und seit 2003 bestehende Tuningwerkstatt Unicates gehört. Außer den Türen, dem Dach und dem Heck sind an dem Fahrzeug mit dem Wende-Baujahr 1989 kaum noch Originalteile zu finden. Unter der Motorhaube arbeitet ein ein leistungsstarker Motor aus der Audi-TT-Reihe. Aufgrund der Größe des Motors musste die gesamte Karosserie verändert und verstärkt werden, erläutert Sascha Fiß. Er war für den Umbau des einstigen DDR-„Volkswagens" verantwortlich. Um die Stabilität des Trabis zu sichern, wurden 28 Meter Stahlrohr eingebaut. 17-Zoll-Feigen sowie ein Gewindefahrwerk - das ist ein höhenverstellbares Fahrwerk - ergänzen die Einbauten. Die Innenausstattung ist in Gold gehalten - trabantgemäß aber auf das Notwendigste beschränkt. Hosenträgergurte und Sportsitze sorgen für die notwendige Sicherheit, falls die eingebauten Pferdestärken doch einmal von der Leine gelassen werden, erklärt der 29-jährige Plauener. Neben dem goldenen Flitzer, der von einem Kunden für die Ausstellung zur Verfügung gestellt wird, ist der Tuningexperte auch selbst noch mit einem 125 PS starken schwarzen Trabant auf der Leipziger Automobilmesse zu sehen: „Technisch ist er genauso wie der goldene ausgestattet." (Freie Presse, April 2007) Weischlitzer baut die stärksten TrabisSascha Fiß hängt nur eingeschränkt alter Trabi-Romantik nach - Denn unter die Motorhaube seiner Wagen montiert er modernste TechnikIn Leipzig zeigen ab heute auf der Auto Mobil International (Ami) die Hersteller aus aller Welt wieder ihre neuesten Modelle. Doch ein guter alter Bekannter könnte ihnen die Schau stehlen: ein Trabi. Der Weischlitzer Sascha Fiß hat den wahrscheinlich stärksten Trabanten der Welt gebaut. VON MAURICE QUERNER Weischlitz. Er hat 300 PS unter der Motorhaube. Er erreicht mühelos 220 Kilometer pro Stunde, und nur eine Sperre verhindert höhere Geschwindigkeiten. Doch bei dem Fahrzeug handelt es sich um keinen Ferrari oder Porsche. Der schnelle Sportler ist ein gold-orangener Trabant. Gebaut hat ihn der Vogtländer Sascha Fiß aus Weischlitz. Gebaut im wahrsten Sinne des Wortes, denn an diesem Trabi ist eigentlich kaum noch etwas echt beziehungsweise original. Selbst die „Außenhaut” ist nicht ganz jene des originären Trabis. Die Karosse fällt sechs Zentimeter breiter und zwölf Zentimeter länger aus. Ein Größenzuwachs, der sein muss, um all die Technik überhaupt unterzukriegen. Denn die hat nun gar nichts mehr gemein mit einstiger Sachsenring-Fabrikation. Sascha Fiß hat für den Trabanten ein völlig neues Fahrwerk konstruiert und dabei tragende Strukturen des Lupo GTI von VW benutzt. Angetrieben wird der Trabi von einem Audi-TT-Motor, und auch die Bremsen und Räder sind nicht mehr aus volkseigener Produktion. Stattdessen ist dieser Trabi mit ABS und Servolenkung und dem hellen Xenonlicht aus- beziehungsweise aufgerüstet. Schließlich soll das Fahrzeug trotz der Schnelligkeit sicher und problemlos gefahren werden können, erläutert Fiß. Pannenlos ist der Trabi schon 16.000 Kilometer unterwegs gewesen. Doch da hatte das Auto „nur” 200 PS an Leistung zu bieten. Sein Kunde, ein junger Mann aus dem ostdeutschen Norden, bat um 100 PS mehr. „Ich mache alles, was verantwortbar ist und wofür die Dekra ihr Einverständnis gibt”, sagt Fiß. „Aber eigentlich reichen 125 PS völlig aus.” Genau auf diese Anzahl von Pferdestärken kann sein eigener Trabi zählen, ein in elegantem Anthrazit gehaltener P50er . Auch dieser Trabi kann in Leipzig auf dem Tuningstand der Ami bewundert werden. Doch nicht immer wecken die schnellen Rennpappen positive Emotionen, weiß Fiß. Da gibt es auf der Autobahn so manchen Fahrer eines Nobelflitzers, der partout nicht akzeptieren kann, dass ausgerechnet ein Trabant schneller unterwegs sein könnte als das eigene Gefährt. Und auch die Trabiszene zeige wenig Begeisterung für die Autos von Fiß. „Viel zu weit weg vom Original”, lautet die Kritik von so manchem Trabi-Fundamentalisten. Fiß ist eben alles andere als ein Nostalgiker. Auch erzählt einen original-restaurierten Trabi zu seinem Eigentum. Aber es macht ihm viel mehr Spaß, den Oldie quasi neu zu erfinden, Schritt für Schritt. Ganz abgesehen davon, dass das Fahren eines Fiss-Trabis deutlich komfortabler ist und zugleich mehr Fahrspaß bietet. „Wer einmal 5o Kilometer mit dem Original unterwegs war, kann sich gut vorstellen, dass der Rücken geschmerzt hat, wenn man mit ihm eine Tour von hier an die Ostsee gemacht hat”. „Besser Trabi fahren” könnte daher sein Motto lauten, obgleich er sein Wirken durchaus nicht als besonders ungewöhnlich betrachtet. Die Autoindustrie mache im Prinzip auch nichts anderes, als um bewährte Komponenten unterschiedliche Aufbauten zu konstruieren. Doch einen Job bei VW & Co. hat der Ingenieur, der an der Westsächsischen Hochschule in Zwickau Kraftfahrzeugtechnik studiert hat, nie gesucht. „Dort sitzt man in den Konstruktionsbüros ewig am Computer, um immer nur ein einzelnes Teil zu entwickeln. Das wäre nichts für mich”, so der 29-Jährige. Viel lieber legt er selbst Hand an und verbindet Autoteile, die eigentlich gar nicht zusammenpassen. Und er macht sich gern dabei die Hände schmutzig. Das hat er schon mit 14 Jahren gemacht, als er den ersten P50 sein Eigen nennen konnte. An die 20 Trabis hat er für Kunden des Oelsnitzer Autohauses Scholz mit Zweigstelle in Weischlitz bereits „bearbeitet”, und er sieht sich in der Tradition der amerikanischen Hot-Rods-Bauer, wo schon seit den 40er-Jahren des letzten Jahrhunderts alte billige Autos mit neuer Technik versehen wurden. Der Bastler kann sich vorstellen, dass sich auch in Deutschland damit ein Geschäft machen lässt, von dem man leben könne. Und es müsse nicht immer ein Trabi sein, den es zu verändern gelte. Fiß: „Ein alter GAZ-21-Wolga wäre mein Traum”. (Freie Presse, 14./15.April 2007) | ||||||||||||
Home | AGB | Impressum |